Hegering-Versammlungen im Landkreis

Am vergangenen Wochenende sind die Hegering-Versammlungen im Landkreis Lüneburg zu Ende gegangen.

In diesem Jahr war die afrikanische Schweinepest (ASP) das zentrale Thema auf allen Versammlungen. Die Hegering-Leiter wiesen nochmals auf die Bedeutung der konsequenten Beprobung jedes verunfallt oder tot aufgefundenen Stücks Schwarzwild hin und verteilten vom Veterinäramt ausgegebene Probensets an die Revierinhaber. Es wurde immer wieder betont: “Wie man am Beispiel Belgien sieht: die Seuche kann morgen hier sein!” In diversen Hegeringen wurde noch einmal eindrücklich geschildert, welche Folgen der Ausbruch der ASP haben wird (Stichwort Betretungsverbot des Waldes und Ernetverbot für die Landwirte). Es wurde jedoch auch deutlich, dass es zur ASP noch viele offene Fragen und Unsicherheiten gibt – beispielsweise in der Frage der Haftung für die Bergeteams im Falle des Ausbruchs der ASP. Die Hegeringe auf der anderen Elbseite stehen außerdem vor einem logistischen Problem: Von dort ist der Weg zur Probenabgabe lang, denn die Proben müssen nach Lüneburg. Hier sind Ministerium und Behörden gefordert, Antworten zu liefern und für Rechtssicherheit zu sorgen.

Des Weiteren war bei der Rückschau auf das vergangene Jagdjahr die Dürre ein großes Thema. Diese hatte einen erheblichen Einfluss auf die Ausübung der Jagd. Die Wildtiere haben feuchtere Gebiete aufgesucht und sich wenig bewegt, so die allgemeine Beobachtung aus den Reihen der Jäger.

Vertreter des Vorstandes der Kreisjägerschaft forderten die Revierinhaber erneut dazu auf, die jährlichen Fragebögen zur Wildtiererfassung (WTE) auszufüllen und abzugeben. Durch diese Fragebögen können die Jäger ganz entscheidend zu einem realistischen Bild der Artenvielfalt im Landkreis beitragen. Schließlich bewegt sich wohl keine andere Bevölkerungsgruppe so viel und so aufmerksam in Wald und Flur wie wir Jäger. Allerdings sind die Rücklaufquoten zum Teil noch sehr unbefriedigend, teilweise sogar nur 22 %. Glücklicherweise gibt es aber auch positive Beispiele mit Rücklaufquoten von lobenswerten 100 %! Es wurde auf das Beispiel der Rabenkrähe hingewiesen – diese gehört in Niedersachsen nur deshalb weiterhin zum jagdbaren Wild, da durch die WTE-Bögen ein ausreichend hoher Bestand nachgewiesen werden konnte.

Die aktuellen Themen in den Hegeringen unterschieden sich ein wenig, je nach Standort. So wurde in den deichnahen Hegeringen die Nutria-Bejahung zwecks Deichschutz thematisiert. In den Hegeringen, die den Wolf als Mitjäger haben, wurde die Nachbarschaft mit diesem und den Einfluss auf die Bejagung, Strecke und das Verhalten des Wildes eingegangen.

In vielen Hegeringen wurde von verschiedensten Naturschutzprojekten berichtet, die geplant oder im vergangenen Jahr durchgeführt wurden. Dazu gehören das Anlegen einer Streuobstwiese oder das Pflanzen von Hecken. Diese Aktionen dienen jedem Nutzer und Lebewesen in der Natur. Ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten!

Besonders hervorzuheben ist auch die aktive Öffentlichkeitsarbeit einzelner Hegeringe – sei es Lernort Natur mit Kindern und Grundschulklassen, oder erlebnisreiche Naturtage für alle. Dieses Engagement für die Organisation und Durchführung bedarf ein hohes Maß an Überzeugung und Freude an der Sache!

Ein freudiges Ereignis waren die vielen Ehrungen, die vorgenommen werden konnten, etwa für die langjährige Mitgliedschaft in der Jägerschaft oder aktives Jagdhornblasen. Den Jubilaren auch auf diesem Wege noch einmal ein kräftiges Waidmannsheil!

Der Kreisjägermeister bzw. sein Stellvertreter trugen schließlich die neuesten Informationen aus den Ministerien vor. Ungläubiges Gemurmel ertönte auf allen Versammlungen, als von der geplanten Änderung des Waffengesetzes berichtet wurde, nach der (unter anderem) zukünftig zu jeder Waffe eine eigene Waffenbesitzkarte ausgestellt werden muss. Diese Änderung ist notwendig, um EU-Recht umzusetzen. Die teilweise Aufhebung des Muttertierschutzes beim Schwarzwild im Falles eines ASP-Ausbruchs (führende Bachen dürfen erlegt werden, sobald die Frischlinge keine Streifen mehr haben) rief ebenfalls Unglauben hervor. “Das ist doch keine Jagd mehr, das ist Schädlingsbekämpfung!” und “Wo bleibt da der Respekt vor der Kreatur?” sind nur einige der Sätze, die von den Jägerinnen und Jägern immer wieder gesagt wurden.

Auch in diesem Jahr wurden zahlreiche Versammlungen wieder von den örtlichen Jagdhornbläser-Gruppen unterstützt und mit einem stimmungsvollen Rahmen versehen. So gaben beispielsweise die Böhmsholzer Bläser auf der Versammlung des Hegerings Kirchgellersen bei der Vorstellung des Streckenberichts die neuen Totsignale für Waschbär, Marderhund und Nutria zum Besten. Die Bläser des Hegerings Elbmarsch-Ost ehrten auf ihrer Versammlung die langjährigen Mitglieder mit der selbst komponierten Elbmarsch-Fanfare. Ein Aufruf kam von allen Bläsergruppen gleichermaßen: Jagdhorn-Neulinge sind jederzeit herzlich willkommen! Schließlich gehört auch das Jagdhornblasen zur aktiven Jagdausübung. Eine Übersicht der verschiedenen Gruppen und deren Ansprechpartner findet sich auf der Homepage der Jägerschaft (https://jaegerschaft-lueneburg.de/jagdhornblaesergruppen/).

Ein weiterer zentraler Aufruf kam von den Schießobleuten: Sie forderten alle Mitglieder auf, aktiv am jagdlichen Übungsschießen teilzunehmen, egal ob jung oder alt, alter Hase oder Jungjäger. Das Argument “Ich kann das nicht, ich blamiere mich!” zählt nicht. Gerade dazu geht man ja auf den Schießstand. Die wenigsten von uns sind wohl bereits als Profischütze in ihr Jägerleben gestartet. Doch wer nichts dafür tut, seine Fähigkeiten zu verbessern, handelt verantwortungslos und fahrlässig.