Forschungserkenntnisse aus der Weltraumforschung dienen der Waldbrandprävention

Am 15.03.2019 war Helmut Beuke, Betriebsdezernent bei den Niedersächs. Landesforsten, Forstamt Oerrel, zu Gast bei der Bundeswehrjägerkameradschaft Lüneburg

von K.J. Frank

In seinen Begrüßungsworten hob Michael Flügge-Munstermann, Oberstleutnant a.D. und 1. Vorsitzender der Bundeswehrjägerkameradschaft, die Bedeutung des angekündigten Themas „Waldbrandprävention“ hervor.

Im brandheißen Sommer 2018 kam das Bundesland Niedersachsen mit Waldbrandschäden von insgesamt 0,3 Hektar (ha) mehr als glimpflich davon.

In Brandenburg fielen 1.630 ha dem Feuer zum Opfer. Drei Walddörfer mussten bei Treuenbrietzen evakuiert werden. Weitere Schäden konnten verhindert werden.

In Schweden wurden im letzten Jahr 30.000 ha Wald vernichtet und bei Waldbränden in Griechenland, Region Attika, gab es 99 Tote und 171 Verletzte.

Wie wegweisend ist die Waldbrandprävention bei uns aufgestellt, wenn sogar seitens der UNO bei uns angefragt wird?

In seinem aufschlussreichen Vortrag stellte Helmut Beuke, Leiter des Hochwildringes Süsing und stellvertr. Leiter des Niedersächsischen Forstamtes Oerrel das „Automatisierte Waldbrand Früherkennungssystem (AWFS)“ vor. Mit dem Aufbau des AWFS wurden die Niedersächsischen Landesforsten durch den Erlass des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML) vom 16.01.2008 beauftragt. Helmut Beuke, Betriebsdezernent bei den Niedersächsischen Landesforsten und verantwortlich für die Waldbrandüberwachungszentrale in Lüneburg, hat das neue System seit den Anfängen eingerichtet.

Bei der Waldbrandprävention arbeiten viele Institutionen zusammen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) beschreibt mit seinem Waldbrandgefahrenindex (WBI) die mögliche Waldbrandgefahr in fünf Gefahrenstufen von 1 (sehr gering) bis 5 (sehr hoch/höchste Stufe). Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) veröffentlicht Verhaltenshinweise für den Aufenthalt in den Wäldern, um den Ausbruch von Bränden zu verhindern.

„Wir haben in Niedersachsen in 2018 unglaublich viel Glück gehabt“, sagte Helmut Beuke: „ Waldbrände sind sehr schwer zu finden. Dank unserer Kamera überwachten Wälder (AWFS) sind wir jetzt in der Lage, Entstehungsbrände gleich zu beherrschen.“ Die Landkreise Lüchow/Dannenberg, Celle und Gifhorn zählen zu den am stärksten gefährdeten Gebieten. Der Heidekreis sowie die Kreise Lüneburg und Uelzen werden einem mittleren Gefährdungsgrad zugerechnet. Für die sechs Landkreise hat man an 17 Standorten 20 Kameras installiert, so dass Brände zügig erkannt werden können. Die Grundlagen des Feuerüberwachungssystems sind vom Deutschen Zentrum für Luft-und Raumfahrt (DLR) für die Weltraumforschung entwickelt worden. Im Rahmen eines gemeinsamen fünfjährigen Forschungsprojektes von DLR, Fa. IQ. Wireless und der Landesforstverwaltung Brandenburg wurden diese zum Waldbrandfrüherkennungssystem Fire-Watch optimiert. Für das Land Brandenburg besonders wichtig, weil es mit sehr vielen militärischen Altlasten zu kämpfen hat und damit zusätzlich ein äußerst gefährdetes Gebiet ist.

Hochempfindliche, Kamera gestützte, Systeme, die sich beim Einsatz im Weltraum bewährt haben, werden jetzt für ein Frühwarnsystem zur schnellen Erkennung von Bränden verwendet.

Die Sensorsysteme sind entweder auf Feuerwachttürmen oder auf Funktürmen z. B. in Zernien/Göhrde installiert.

Die „Kamera“ dreht sich um 360° und produziert alle 10° drei „Bilder“ bzw. Messwerte. Ein Rechner vergleicht die Aufnahmen. Bei Abweichungen geht eine Information an die Waldbrandüberwachungszentrale in Lüneburg. Dort werden die Aufnahmen von den Mitarbeitern erneut überprüft, bei Brandverdacht werden Aufnahmen einer zweiten Kamera zum Vergleich herangezogen, weil eine Kamera allein nicht reicht, um eine Kreuzpeilung zu erreichen. Zudem hat man dann zwei Rauchbilder. Entscheidend ist die Grau-Stärke, man kann diese auch als „Qualm“ bezeichnen. 16000 Grautöne können unterschieden werden. Nebel wirkt sich erschwerend auf die Erkennung aus. Man kann sehen, wo der „Qualm“ aufsteigt und erfährt sämtliche Daten zur Position des Brandgeschehens. Die Datenübermittlung erfolgt u.a. über den äußerst schnellen BOS-Digitalfunk* in Echtzeit, so dass die AWFS-Zentrale in wenigen Minuten die Feuerwehr bzw. die Polizei verständigen kann. Oftmals werden die Feuer sogar über Entfernungen bis zu 50 km entdeckt. „Einmal haben wir einen Brand in 65 km Entfernung aufspüren können. Je schneller die Brände erkannt werden, umso rascher können wir diese Entstehungsbrände bekämpfen. In einem derartigen Stadium sind wir in der Lage, mit kleinem Gerät vor Ort einzugreifen. Verändert sich ein Brand zum Großbrand, so hilft auch meistens kein großes Gerät mehr“, erläuterte Helmut Beuke mit dem Blick auf Kalifornien den Vorteil der Früherkennung, mit der verheerende Zerstörungen erfolgreich abgewendet werden können. Ab der Gefahrenstufe 3 ist die AWFS-Zentrale Lüneburg von März bis September von 10.00 – 19.00 Uhr mit drei, bei höchster Gefahrenlage mit fünf Forstwirten besetzt, die die eingehenden Daten der Überwachungssysteme auswerten. Mit der Etablierung des AWFS sind die Feuerwachttürme nicht mehr mit Personal besetzt.

Über den Einsatz des Feuerwehrflugdienstes entscheiden die Polizeidirektionen. 210 Einsatztage hat es für die Feuerwehr im brandgefährlichen 2018 gegeben.

510 mal wurde eine Brandlage gemeldet, davon waren 28 echte Waldbrände. Das AWFS hat damit erneut seine große Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Insgesamt werden in Deutschland 1,9 Mio. Hektar Wald von 177 Systemen überwacht.

In Niedersachsen werden flächendeckend ca. 900 000 ha, davon ca. 400 000 ha Wald von den AWFS-Kameras ins Auge gefasst.

Das nachhaltig beeindruckte Publikum dankte Helmut Beuke für einen hochinformativen Vortrag über die Digitalisierung der Waldbrandprävention. Die Klänge des Jagdhornbläserkorps „Hubertus“ unter der Leitung von Ingrid Leitner gaben der Veranstaltung eine stimmungsvolle Atmosphäre.

 

*BOS Digitalfunk ist der nicht öffentliche Landfunkdienst in Deutschland, der von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben verwendet wird.